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Nur 31,7% der Tschechen bezeichnen sich als religiös. Das ist verglichen mit den westlichen Nachbarländern oder dem katholischen Polen(ca. 90%) nicht viel. In der Tat scheint es, dass die Tschechen ein Problem mit ihrem Schöpfer haben. Dabei war das große nationale Vorbild Kaiser Karl IV ein frommer Christ, der viele Kirchen im Land bauen ließ.
Die Gründe für die "Gottlosigkeit" und das "Mißtrauen" der Tschechen zur Kirche sind wohl eher in der späteren Geschichte zu suchen. Nachdem Reformator Jan Hus 1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde und 1526 die Habsburger den Böhmischen Thron bestiegen, änderte sich das religiöse Leben der Tschechen grundlegend. Die neuen katholischen Machthaber brachten eine Rekatholisierung, die in allen gesellschaftlichen Bereichen durchgesetzt wurde. Zwar zwangen die böhmischen Stände Rudolf II. einen Majestätsbrief herauszugeben, in dem Religionsfreiheit verkündet wurde. Die Kaiser Matthias und Ferdinand aber versuchten, diese Freiheit einzuschränken. Ihre Anstrengungen lösten einen Bürgerkrieg zwischen den Ständen und dem katholischen Herrscher aus, der später in den Dreißigjährigen Krieg mündete. Die Böhmischen Stände wurden 1620 in der Schlacht am Weißen Berg besiegt - ein nationales Trauma, das nicht unwesentlich für das spätere Mißtrauen der Tschechen gegenüber Kirche mit verantwortlich war.
Auch die Diktatur des Proletariats nach 1945 trug nicht gerade zu einer Frömmigkeit der Tschechen bei. Stärker als z.B. in der ehemaligen DDR versuchte die Regierung, Kirche zu kontrollieren. So wurden beispielsweise die Priester vom Staat bezahlt und dieser sprach auch ein Wörtchen bei der Auswahl der Geistlichen mit. Kurioserweise hat sich das nach der Wende nicht geändert. Auch heute erhalten Priester ihr Gehalt vom Staat. Aktuell streiten sich Kirche und Staat um renomierte Gotteshäuser, wie dem nationalen Symbol "St.-Veitsdom", der aktuelle mal wieder dem Staat zugesprochen wurde. Im Oktober 2007 hat sich die tschechische Regierung mit den christlichen Kirchen darauf geeinigt, ihnen für den vom kommunistischen Regime enteigneten Besitz eine finanzielle Entschädigung von 83 Milliarden Kronen zu zahlen.
Trotz der relativ geringen Zahl an gläubigen Tschechen (26,8 % römisch-katholisch, 3,2 % Protestanten) ist doch in den Jahren seit der Wende eine, wenn auch nur leichte, Belebung des religiösen Lebens zu verzeichnen. So wird in Prag über DVB-T der christliche Fernsehsender TV NOE ausgestrahlt.