Interessantes aus der tschechischen Geschichte

(Quelle: RSS-Feed Radio Prag)


19. Jahrhundert: Sudetendeutsche Auswanderungspioniere bringen

Seit jeher gingen in Europa - aus welchen Gründen auch immer - mehr oder weniger massive Völkerwanderungen über die Bühne. Dieses Phänomen prägte nicht nur die Geschichte vieler Länder unseres Kontinents, sondern auch viele andere Teile der Welt. So war es auch im Falle Brasiliens, das Millionen von Zuwanderern in einen Schmelztiegel von verschiedenen Nationalitäten, Religionen und Kulturen verwandelten. Ihren Beitrag haben dazu auch viele Bewohner aus Mitteleuropa geleistet. Einen Einblick gibt dieser Tage eine Ausstellung, die unter dem Titel ?Tschechische Spuren in Brasilien? auf der Prager Burg eröffnet wurde.

Die Atheisten und ihr Heiliger ? der tschechische Wenzelskult

Seit genau zehn Jahren ist der Namenstag des Heiligen Wenzel in Tschechien auch offizieller Staatsfeiertag. Dem böhmischen Landespatron wurde somit nach fast einem Jahrhundert symbolisch von Seiten des Staates wieder jene Bedeutung zuerkannt, welche er zuletzt in den Zeiten der Monarchie hatte. Über den Kult um den heiligen Wenzel hören Sie mehr in der folgenden Sendung von Robert Schuster.

Kulturelles Erbe der deutschsprachigen Bewohner der böhmischen Länder bekommt eigenes Museum

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges lebten in Böhmen und Mähren über drei Millionen Deutsche, etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Der Rest waren überwiegend Tschechen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Deutschen vertrieben. Ihre kulturellen Hinterlassenschaften wurden jahrzehntelang verschwiegen oder durch die ideologische Brille dargestellt. Viele ? vor allem jüngere Tschechen ? wissen deshalb heute kaum noch etwas über die Geschichte der Deutschen in ihrem Land. Ein Museum, das derzeit in Ústí nad Labem / Aussig an der Elbe entsteht, soll das ändern.

Auf den Spuren der Johanniter und der Dudelsackpfeifer: Die Burg von Strakonice (II)

Die Burg ist eine Dominante der Stadt. Dennoch überrascht einen die Größe des mittelalterlichen Bauwerks, wenn man dann vor Ort ist. Die Rede ist von der Burg in der südböhmischen Stadt Strakonice. In einer der vergangenen Ausgaben der Sendereihe ?Reiseland Tschechien? haben wir Sie in das Museum des mittleren Otavagebiets eingeladen, das auf der Burg seinen Sitz hat. Die Führung durch die Burg von Strakonice werden wir nun in der folgenden Ausgabe von ?Reiseland Tschechien? fortsetzen.

Widerstand gegen die Nazis im Protektorat Böhmen und Mähren

Die Tschechen sind stolz auf die Teilnahme ihrer Soldaten in den ausländischen Armeen während des Zweiten Weltkriegs. Zur Zeit des Kommunismus wurde dieses Geschichtskapitel vernachlässigt, aber seit der Wende 1989 ist dann allgemein bekannt geworden. Der Widerstand vor Ort im Protektorat Böhmen und Mähren während der Besetzung durch Hitler von 1939 bis 1945 steht dagegen immer noch etwas im Schatten der Betrachtung. Dabei war er ebenso bedeutend wie der Widerstand aus dem Ausland. Jakub ?i?ka nun darüber in einem weiteren Kapitel aus der tschechischen Geschichte.

?Die Munition lag ja überall herum? ? Kriegsspielplatz Ralsko versucht Neustart

Verbrannte Erde ? das ist, was oft übrig bleibt, wenn ein Krieg über das Land hinweggezogen ist. So war es auch in Ralsko / Rollberg kurz nach der Samtenen Revolution von 1989. Die Armeen mehrerer Länder waren über den riesigen Truppenübungsplatz im Norden Tschechiens gerollt. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg lagen hier 16 Dörfer. Die tschechoslowakische Armee hatte sie platt gewalzt. Die schlimmste Erbschaft hinterließ die Sowjetarmee, die 1968, nach der Okkupation der Tschechoslowakei, das Gebiet in Beschlag nahm. Christian Rühmkorf berichtet im Forum Gesellschaft über Vergangenheit und Zukunft einer Gegend mit tonnenschweren Altlasten.

Historienspiel zur böhmischen Geschichte: Kaiserhochzeit 1310 in Speyer und Zeiskam

Anfang des 14. Jahrhunderts geht in Böhmen die Dynastie der P?emysliden zu Ende. Als am 1. September 1310 Eli?ka P?emyslovna (Elisabeth von Böhmen) und Johann von Luxemburg heiraten, ist für die Luxemburger der Weg frei auf den böhmischen Thron. In Speyer, wo Eli?ka und Johann vermählt wurden, und im nahen Zeiskam, wo sie sich erstmals trafen, wird an diesem Wochenende bei einer großen Feier an die Hochzeit erinnert. Die Veranstaltung gehört zum Programm des Kultursommers Rheinland-Pfalz. Initiator ist der Hobbyforscher Klaus Sütterlin aus Zeiskam - mit ihm nun folgendes Interview.

General Kutlva?r über den Luftkrieg 1943: ?Vorbereitung für den Marsch auf Berlin?

Karel Kutlva?r ist eine der wichtigsten Personen der tschechoslowakischen Militärgeschichte. Er kämpfte im Ersten Weltkrieg in den tschechoslowakischen Legionen in Sibirien und wurde hinterher mehrfach für heldenhaftes Verhalten ausgezeichnet. Als 33-Jähriger wurde er 1928 zum General befördert. Er war damit einer der jüngsten Generäle in der Geschichte der tschechoslowakischen Armee. Nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch Hitlerdeutschland schloss er sich dem Widerstand an. Aus dem englischen Exil informierte Kutlva?r seine Landsleute Anfang 1943 in den tschechischsprachigen Sendungen der BBC über die Entwicklungen im Luftkrieg.

Der Salesianer-Orden in Kobylisy: erst vertrieben, dann wiedergekehrt

Die Ordensgemeinschaften wurden in der ehemaligen Tschechoslowakei zwei Jahre nach dem kommunistischen Putsch aufgelöst und verboten. Erst nach der Wende durften die Kirchenorden ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. In ihr Prager Institut, aus dem sie 1950 vertrieben wurden, kehrte nach 40 Jahren auch die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos zurück. Auch wenn das Salesianerzentrum vor allem Kindern und Jugendlichen dient, wimmelte es dort vor kurzem von Frauen und Männern, die eher zur Generation der Großeltern gehörten. Im Schulalter haben aber haben diese Damen und Herren einst das Salesianerinstitut in Kobylisy besucht, noch bevor es geschlossen wurde.

?Die Stimmung war aufgeheizt? ? Historiker Wiedemann über wilde Vertreibung und Massaker

Die tschechische Polizei untersucht derzeit einen historischen Kriminalfall. Es geht um die Frage, ob im Mai 1945 tschechische Revolutionsgardisten deutsche Zivilisten brutal ermordet haben. Ihre Überreste könnten in einem Massengrab nahe Dobronín / Dobrenz bei Jihlava / Iglau liegen. An dem Ort haben Archäologen vor einer Woche auch wirklich Knochen und Gebrauchsgegenstände gefunden, die derzeit untersucht werden. Das mögliche Massaker an deutschen Zivilisten in Dobronín hat jedenfalls nun erneut das Thema Vertreibung in die Medien gebracht. Zum Thema ?wilde Vertreibung? und den Opfern der Vertreibung ein Gespräch mit dem Historiker und ehemaligen Radio-Prag-Redakteur Andreas Wiedemann.

Lohndumping, Sparkurs und der Umgang mit der tschechisch-deutschen Geschichte

Dieses Mal sind unsere Themen ziemlich tschechisch-deutsch. Zum einen wurde in der tschechischen Presse anlässlich der Aushebung des Massengrabs mutmaßlicher deutscher Zivilisten sehr kontrovers diskutiert. Dabei ging es vor allem um die Frage nach Tätern und Opfern vor dem Hintergrund von sieben Jahren Nazi-Diktatur und nachfolgender Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei. Zudem haben sich die tschechischen Kommentatoren über das angebliche Lohndumping in Deutschland Gedanken gemacht. Und last but not least auch ein rein tschechisches Thema: der Sparkurs der Regierung Ne?as.

?In Zukunft wieder mehr Dürer zeigen? ? zur Restaurierung des Bildes ?Das Rosenkranzfest?

Albrecht Dürer ist praktisch von einem auf den anderen Tag durch ein Bild berühmt geworden: die Rosenkranzfest-Madonna, auch einfach nur das Rosenkranzfest genannt. Das Gemälde, das der Nürnberger Maler 1506 in Venedig für dortige deutsche Kaufleute angefertigt hat, kam 100 Jahre später nach Prag. Kaiser Rudolf II. erwarb es für die damals hohe Summe von 900 Dukaten. Auch heute befindet sich das Bild noch in Prag: Es gehört zu den Sammlungen alter Kunst der tschechischen Nationalgalerie im Sternberg-Palais auf dem Hradschin. Seit dem vergangenen Jahr lässt die Nationalgalerie das Rosenkranzfest von italienischen Spezialisten genau untersuchen ? in einem Verfahren, bei dem das empfindliche Gemälde nicht angefasst werden muss. Die Untersuchung soll zeigen, wo und in welchem Umfang im Laufe der Jahrhunderte Teile des Dürer-Originals übermalt wurden. Radio Prag hat dazu mit Olga Kotková gesprochen. Sie ist die Leiterin der Sammlungen alter europäischer Kunst in der Nationalgalerie.

Anthropologen untersuchen brisanten Knochenfund aus Dobronín: bisher mehr Fragen als Antworten

Seit gut zehn Tagen berichten die Medien in ganz Tschechien darüber, auch wir bei Radio Prag hatten es in unseren Sendungen: die Nachforschungen der tschechischen Polizei am mutmaßlichen Grab deutscher Zivilisten in der Nähe von Dobronín / Dobrenz. Es könnte sich um die Opfer eines Massakers handeln, das Revolutionsgarden unmittelbar nach dem Krieg unter inhaftierten Deutschen angerichtet haben sollen. In der vergangenen Woche hoben Archäologen das Grab aus. Die Gebeine und weitere Fundstücke sollen nun Klarheit bringen, ob es sich um die Opfer des Massakers handelt. Mit den Forschungen dazu beschäftigen sich Anthropologen aus Brno / Brünn.

In Auschwitz wurde über Umgang mit gewaltbelasteter Vergangenheit diskutiert

Wie soll man mit Orten umgehen, die eine gewaltbelastete Vergangenheit haben? Das war das Thema eines europäischen Workshops, der vor kurzem in einem Ort stattfand, der wie kaum ein anderer mit Gewalt assoziiert wird, im polnischen Auschwitz. Der fünftägige europäische Workshop wurde von der Maximilian-Kolbe-Stiftung veranstaltet. Es ist eine verhältnismäßig junge Stiftung ? gegründet wurde sie 2007 von der Deutschen und der Polnischen Bischofskonferenz ? und dies war ihre erste größere Veranstaltung mit 30 Teilnehmern aus acht Ländern wie etwa Albanien, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Polen und der Ukraine. Patrick Gschwend sprach über den Workshop mit Martina Schneibergová.

?Erinnerung vor Ort ist wichtig? - Tscheche Václav Pe?ich bei Workshop in Auschwitz

Auschwitz gilt weltweit als Symbol der Grausamkeit. Doch wie kann man die Erinnerung an einen solchen Ort aufrechterhalten? Über den Umgang mit der gewaltbelasteten Vergangenheit dieser und anderer Orte haben vor kurzem die Teilnehmer eines europäischen Workshops der Maximilian-Kolbe-Stiftung diskutiert, darunter auch Tschechen.

Besuch bei Freunden: Premier Ne?as auf Antrittsbesuch in Berlin

Die Tradition will es, dass der frisch ernannte tschechische Premierminister seine erste Auslandsreise in die Slowakei unternimmt. Petr Ne?as machte da keine Ausnahme. Wir haben berichtet. Seinen zweiten Antrittsbesuch absolvierte Ne?as am vergangenen Donnerstag nun, wie schon zuvor Außenminister Karel Schwarzenberg, in Berlin. Nicht ohne Grund, denn Deutschland ist mit Abstand der wichtigste Wirtschaftspartner Tschechiens. So standen auch die Gespräche mit Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel ganz im Zeichen der Wirtschafts- und der Europapolitik.

Wie die Samtene Revolution die Sicht auf den Prager Frühling verändert hat

Am 21. August 1968 marschierten die Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei ein. Es war das Ende des Prager Frühlings. Die beiden folgenden Jahrzehnte waren geprägt von politischer Stagnation und der bedingungslosen Hinwendung an den großen Bruder in Moskau. Doch die Ereignisse und die Ideen des Reformversuchs von 1968 hatten ihre Spuren in der tschechoslowakischen Gesellschaft hinterlassen. Im Herbst 1989 schüttelte sie endlich das kommunistische Regime ab: die Samtene Revolution. Gibt es eine direkte Entwicklungslinie vom Prager Frühling zur Samtenen Revolution, von 1968 zu 1989? Damit hat sich der deutsche Historiker und Soziologe Jürgen Danyel beschäftigt. Er stammt aus einer deutschen Familie in Böhmen und hat als Kind 1968 den Einmarsch der Panzer in Karlovy Vary / Karlsbad selbst erlebt. Heute ist Danyel stellvertrender Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam.

Tschechische Morde ? Deutsch als Fremdsprache ? Totalitärismus-Institut

In den tschechischen Kommentarspalten geht es ausführlich um die in Dobronín / Dobrenz aufgedeckten Morde an Sudetendeutschen nach Kriegsende, es geht um den Wirtschaftsaufschwung in Deutschland, um die Konkurrenz von Deutsch und Englisch in tschechischen Schulen, und kommentiert wird auch der neue Chef des Instituts für das Studium totalitärer Regime, Daniel Herman.

?Ich bin überwältigt? - Autorin Herma Kennel über die Ermittlungen zum Massaker in Dobronín

Vor sieben Jahren hat sie ihr Buch ?Bergersdorf? veröffentlicht: die deutsche Autorin Herma Kennel. In ?Bergersdorf? hat sie die Geschichte des ehemaligen SS-Dorfes in der Nähe von Dobronín zwischen 1939 und 1945 verschriftlicht. Dass sie das Buch geschrieben hat, hat persönliche Gründe: Es geht um die Familie ihrer Schwiegermutter und um Menschen, die in Bergersdorf grundlos ihr Leben lassen mussten. Im letzten Teil des Buches schildert sie, wie nach dem Krieg Deutsche zu Opfern eines brutalen Massakers wurden. Tschechische Gardisten zwangen die Männer, sich ihre eigenen Gräber zu schaufeln, und ermordeten die Männer dann auf brutale Weise. Die Leichen verscharten die Täter in dem Erdloch. Es handelt sich dabei um das Massengrab, das diese Woche in der Nähe von Dobronín ausgehoben wurde. Gefunden hat die Polizei sechs Leichen, deren Identität derzeit noch geprüft wird. Die Autorin Herma Kennel war von Dienstag bis Mittwoch bei den Aushebungen dabei.

Die Großmacht Großmähren: Auf dem slawischen Bergwall in Mikul?ice

Das Großmährische Reich war das erste Staatsgebilde der Westslawen. Es spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte Mittelosteuropas. Großmähren war ein Vorgänger des frühmittelalterlichen Staates der böhmischen Premysliden. Den Kern Großmährens bildete das mährische Gebiet am Fluss Morava / March und das Fürstentum von Nitra. Ein bedeutendes Zentrum des großmährischen Staates des 9. Jahrhunderts befand sich auf dem Gebiet unweit der heutigen Gemeinde Mikul?ice. Seit den 1950er Jahren werden dort archäologische Untersuchungen durchgeführt. Diese haben inzwischen außerordentlich umgangreiches Material zu Tage gebracht, das von den Experten ausgewertet und bearbeitet wird. Die Ausgrabungen von Mikul?ice gehören zu den größten systematischen Ausgrabungen in Europa. Die Verwalter des Areals, das zum nationalen Kulturdenkmal erklärt wurde, sowie Regionalpolitiker denken darüber danach, sich um den Eintrag von Mikul?ice in die Unesco-Weltkulturerbeliste zu bewerben.


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